Wohnungsbau in Deutschland

183:888813599 • 24. Juli 2026

Wie steht es um den Wohnungsbau in Deutschland?

Der Bau von Wohnungen in Deutschland steht seit Jahren unter Druck: hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und langwierige Genehmigungsverfahren haben die Neubautätigkeit spürbar ausgebremst. Gleichzeitig zeigen die Genehmigungszahlen 2026 erstmals wieder deutlich nach oben. Ein Überblick über die aktuelle Lage, die Ursachen und die Perspektiven für Bauherren, Investoren und Mieter.


Baufertigstellungen auf dem tiefsten Stand seit 2012

2025 wurden in Deutschland 206.600 Wohnungen fertiggestellt – 18 Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Wert seit 2012. Damit ist die Zahl neuer Wohnungen im zweiten Jahr in Folge deutlich gesunken; zwischen 2021 und 2023 lag sie noch bei jeweils rund 294.000. Besonders stark traf der Rückgang die Einfamilienhäuser (41.800 Einheiten, ‑23,3 %), aber auch Mehrfamilienhäuser als wichtigstes Segment gaben auf 109.800 Neubauwohnungen nach.

Der Grund für die Lücke zwischen Planung und Realität liegt im Bauüberhang: Ende 2025 waren 760.700 Wohnungen genehmigt, aber noch nicht fertiggestellt – nur 307.200 davon befanden sich tatsächlich im Bau. Zwischen Baugenehmigung und Einzug vergehen inzwischen im Schnitt rund 27 Monate, sieben Monate mehr als 2020.


Baugenehmigungen 2026: die Trendwende ist da

Der Frühindikator zeigt nach oben. Von Januar bis Mai 2026 wurde der Bau von 104.700 Wohnungen genehmigt – ein Plus von 15,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im Mai 2026 lag der Zuwachs bei 24,7 Prozent, im Neubau sogar bei 29,9 Prozent. Zulegen konnten alle wesentlichen Gebäudearten: Einfamilienhäuser, Zweifamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser. Auch der Umbau von Bestandsgebäuden zu Wohnraum gewinnt an Bedeutung.

Treiber der Erholung sind gesunkene Bauzinsen, wieder anspringende Bauprogramme institutioneller Wohnungsunternehmen sowie die staatliche Förderung über KfW-Programme wie „Klimafreundlicher Neubau" und die Wohneigentumsförderung für Familien.


Bau-Turbo und BauGB-Novelle: schneller vom Plan zum Wohnraum

Politisch soll vor allem das Baurecht Tempo machen. Der sogenannte Bau-Turbo (§ 246e BauGB) ist seit dem 30. Oktober 2025 in Kraft und erlaubt Kommunen befristet bis Ende 2030, von bestehenden Bebauungsplänen abzuweichen, Gebäude aufzustocken und Gewerbeflächen in Wohnraum umzuwidmen. Ergänzend hat das Kabinett im Mai 2026 das „BauGB-Upgrade" beschlossen: digitale Bauleitplanung, bundeseinheitliche Fristen für Behördenstellungnahmen und eine angestrebte Höchstdauer von zwei Jahren für Planverfahren. Inkrafttreten ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen.


Was das für Bauherren und Investoren bedeutet

Kurzfristig bleibt das Wohnungsangebot knapp – genehmigt heißt eben noch nicht bezugsfertig. Mittelfristig sprechen steigende Genehmigungszahlen, sinkende Finanzierungskosten und beschleunigte Verfahren für eine Stabilisierung der Bautätigkeit. Wer heute plant, sollte drei Punkte prüfen: die Förderfähigkeit des Vorhabens, das Potenzial von Nachverdichtung und Umnutzung sowie realistische Zeitpuffer bis zur Fertigstellung.

Fazit: Der Bau von Wohnungen in Deutschland durchläuft 2026 eine Wende auf dem Papier – die Fertigstellungen werden ihr folgen, allerdings mit rund zwei Jahren Verzögerung.



Quelle der Zahlen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Stand Juli 2026.

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