Checkliste Immobilienankauf
Checkliste Immobilienankauf
Checkliste zum Ankauf eines Mehrfamilienhauses
Der Kauf eines Mehrfamilienhauses unterscheidet sich deutlich vom Erwerb eines Einfamilienhauses. Neben dem Zustand der Immobilie müssen insbesondere rechtliche, wirtschaftliche und technische Risiken geprüft werden. Eine sorgfältige Due-Diligence-Prüfung kann spätere Überraschungen und hohe Folgekosten vermeiden.
1. Wirtschaftliche Prüfung
Mieteinnahmen analysieren
Prüfen Sie:
- Aktuelle Nettokaltmieten
- Nebenkostenvorauszahlungen
- Leerstandsquote
- Mietrückstände
- Staffel- oder Indexmietverträge
- Gewerbemietanteile (falls vorhanden)
Wichtige Unterlagen:
- Mieterliste
- Sämtliche Mietverträge
- Nachweise über Mietzahlungen
- Betriebskostenabrechnungen der letzten 3 Jahre
Achten Sie darauf, ob die tatsächlichen Mieteinnahmen den Angaben des Verkäufers entsprechen.
Renditeberechnung
Berechnen Sie:
- Bruttomietrendite
- Nettomietrendite
- Kaufpreisfaktor
- Cashflow nach Finanzierung
Zusätzlich sollten zukünftige Investitionen berücksichtigt werden, beispielsweise für Dach, Heizung oder Fassadensanierung.
2. Technische Prüfung
Gebäudezustand
Besonders kritisch sind:
- Dach
- Fassade
- Keller
- Leitungen (Wasser, Abwasser)
- Elektrik
- Fenster
- Heizungsanlage
- Brandschutz
Prüfen Sie:
- Alter der Bauteile
- Wartungsprotokolle
- Sanierungsnachweise
- Energieverbrauch
Wichtige Unterlagen:
- Energieausweis
- Wartungsnachweise
- Rechnungen früherer Sanierungen
- Schornsteinfegerprotokolle
Schadstoffe
Vor allem bei älteren Gebäuden:
- Asbest
- PCB
- Holzschutzmittel
- Bleileitungen
Sanierungen können schnell sechsstellige Beträge kosten.
3. Rechtliche Prüfung
Grundbuch
Das Grundbuch ist eines der wichtigsten Dokumente.
Prüfen Sie:
Abteilung I
Eigentumsverhältnisse
- Ist der Verkäufer tatsächlich Eigentümer?
Abteilung II
Belastungen und Beschränkungen
Hier finden sich häufig:
- Wegerechte
- Leitungsrechte
- Wohnrechte
- Nießbrauchrechte
- Vorkaufsrechte
Abteilung III
Grundpfandrechte
- Hypotheken
- Grundschulden
Diese werden in der Regel beim Verkauf gelöscht oder übernommen.
4. Dienstbarkeiten
Dienstbarkeiten sind Nutzungsrechte zugunsten anderer Personen oder Grundstücke.
Beispiele:
- Wegerecht für Nachbarn
- Fahrrecht
- Leitungsrecht
- Überbaurechte
Warum sind sie wichtig?
Eine Dienstbarkeit kann:
- die Nutzung einschränken
- Erweiterungen verhindern
- den Wert der Immobilie mindern
Beispiel:
Der Nachbar besitzt ein eingetragenes Wegerecht durch Ihren Innenhof. Dadurch kann die Fläche möglicherweise nicht bebaut oder anderweitig genutzt werden.
Dienstbarkeiten finden sich meist im Grundbuch, Abteilung II.
5. Baulasten
Baulasten werden nicht im Grundbuch, sondern im Baulastenverzeichnis geführt.
Eine Baulast ist eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung gegenüber der Baubehörde.
Beispiele:
Abstandsflächenbaulast
Ein Grundstück stellt einem Nachbargrundstück notwendige Abstandsflächen zur Verfügung.
Folge:
Auf dem eigenen Grundstück darf eventuell nicht mehr gebaut werden.
Stellplatzbaulast
Stellplätze werden dauerhaft für ein anderes Grundstück bereitgestellt.
Vereinigungsbaulast
Mehrere Grundstücke werden baurechtlich als Einheit behandelt.
Warum sind Baulasten wichtig?
Sie können:
- Neubauten verhindern
- Erweiterungen erschweren
- Grundstückswerte beeinflussen
Daher sollte immer ein aktueller Auszug aus dem Baulastenverzeichnis eingeholt werden.
6. Bebauungsplan
Der Bebauungsplan bestimmt, was auf einem Grundstück zulässig ist.
Prüfen Sie:
- Art der Nutzung
- Zahl der Vollgeschosse
- Gebäudehöhe
- Grundflächenzahl (GRZ)
- Geschossflächenzahl (GFZ)
- Baugrenzen
- Stellplatzvorgaben
Warum ist der Bebauungsplan wichtig?
Viele Investoren kalkulieren mit:
- Dachausbau
- Anbau
- Aufstockung
- Neubau im Hinterhof
Der Bebauungsplan entscheidet darüber, ob solche Vorhaben überhaupt zulässig sind.
Beispiel:
Ein Käufer plant den Ausbau von vier zusätzlichen Wohnungen im Dachgeschoss. Der Bebauungsplan erlaubt jedoch keine weitere Geschossfläche. Die gesamte Kalkulation wäre hinfällig.
Der Bebauungsplan sollte daher bereits vor dem Kauf geprüft werden.
7. Bauordnungsrechtliche Unterlagen
Wichtige Dokumente:
- Baugenehmigungen
- Bauzeichnungen
- Nutzungsänderungen
- Abgeschlossenheitsbescheinigungen
- Brandschutznachweise
Prüfen Sie insbesondere:
- Wurden alle Wohnungen genehmigt?
- Gibt es Schwarzbauten?
- Wurden Dachgeschosse legal ausgebaut?
Nicht genehmigte Flächen können erhebliche Risiken darstellen.
8. Öffentliche Lasten und Erschließung
Prüfen Sie:
- Erschließungsbeiträge
- Straßenausbaubeiträge
- Kanalanschlusskosten
- Altlastenkataster
Fragen Sie bei der Gemeinde nach:
- offenen Beitragsforderungen
- geplanten Straßensanierungen
- städtebaulichen Maßnahmen
9. Mieterstruktur
Analysieren Sie:
- Anzahl der Mieter
- Durchschnittliche Mietdauer
- Sozialstruktur
- Kündigungsstreitigkeiten
- Räumungsverfahren
Wichtige Fragen:
- Gibt es Mietminderungen?
- Laufende Gerichtsverfahren?
- Problematische Mietverhältnisse?
10. Die wichtigsten Unterlagen im Überblick
Vor dem Kauf sollten mindestens folgende Dokumente vorliegen:
✓ Grundbuchauszug
✓ Flurkarte
✓ Baulastenauszug
✓ Bebauungsplan
✓ Mietverträge
✓ Mieterliste
✓ Betriebskostenabrechnungen der letzten 3 Jahre
✓ Energieausweis
✓ Baupläne
✓ Baugenehmigungen
✓ Versicherungsnachweise
✓ Wartungsprotokolle der Heizung
✓ Nachweise über Sanierungen
✓ Protokolle von Schornsteinfeger und Brandschutzprüfungen
✓ Altlastenauskunft (wenn relevant)
✓ Nachweis über bestehende Dienstbarkeiten
Fazit
Die größten Risiken beim Kauf eines Mehrfamilienhauses liegen häufig nicht im sichtbaren Zustand des Gebäudes, sondern in rechtlichen Einschränkungen und wirtschaftlichen Fehlannahmen. Besonders wichtig sind die Prüfung von Grundbuch, Dienstbarkeiten, Baulasten und Bebauungsplan. Diese Dokumente entscheiden darüber, ob Erweiterungen, Aufstockungen oder Nachverdichtungen möglich sind und können den tatsächlichen Wert einer Immobilie erheblich beeinflussen. Ein professioneller Ankauf sollte deshalb immer technische, wirtschaftliche und rechtliche Prüfungen miteinander verbinden.

